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Wie groß darf der Aufwand bei der Pflege sein?

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Wieviel Zeit darf Pflege eigentlich in Anspruch nehmen?

Seit Januar 2017 gelten die neuen Pflegegrade, die die Situation von Pflegebedürftigen verbessern sollen, aber bei vielen Pflegeeinrichtungen und Pflegekräften für Irritationen sorgen. Eine Studie der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar kommt zu dem Ergebnis, dass die Pflegegrade kaum Rückschlüsse auf die erforderliche Pflegezeit bei einem Pflegebedürftigen zulassen. In Pflegeheimen kann demnach nicht bemessen werden, wieviel Zeit für die Pflege verwendet werden darf.

Auch wenn ein Pflegebedürftiger einen hohen Pflegegrad vorweisen kann, heißt es nicht, dass er automatisch länger versorgt werden muss. Im Gegenteil – in den Tarifen der Pflegeversicherung wird für die Grundpflege mit Pflegegrad 5 ein Zeitraum zwischen 24 Minuten bis 279 Minuten angegeben; bei einem Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 beginnt der Tarif schon bei 27 Minuten bis 60 Minuten. Problematisch ist dies bei der Berechnung des Personaleinsatzes in stationären Einrichtungen. Und da die Personalkosten den Großteil der Kosten einer Heimunterbringung ausmachen, wird aus wirtschaftlichen Gründen gerne am Personal gespart. Derart knapp bemessene Personalplanungen gehen nicht nur zu Lasten der Pflegebedürftigen, sondern auch der Pflegekräfte.

Personalschlüssel ohne Bemessung des tatsächlichen Bedarfs

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Den Pflegeheimen wird von den Kostenträgern und der Politik ein Personalschlüssel vorgegeben, der in den verschiedenen Bundesländern variiert. Dieser bemisst sich jedoch nicht an den tatsächlich notwendigen Leistungen der Pflegekräfte, auf die Pflegebedürftige ein Anrecht haben, sodass eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage fehlt. Berücksichtigt werden jedoch die Kosten, wie teuer ein Platz in der stationären Einrichtung maximal sein darf. Es geht also, wie so oft im Leben, auch hier immer nur um Geld. Und da auch Alten- und Pflegeheime im Ideal einen Gewinn erwirtschaften, wird das Pflegepersonal möglichst knapp eingeplant.

Daraus resultiert, dass Pflegekräfte von Bewohner zu Bewohner hetzen und gleichzeitig viel zu viele Pflegebedürftige zu versorgen haben. Im Durchschnitt kümmert sich eine Pflegekraft im Pflegeheim tagsüber um 12,5 Bewohner und ist in der Nacht teilweise für 50 bis 60, mitunter auch verwirrte Pflegebedürftige, zuständig. Woher also die oft diskutierten Überlastungserscheinungen stammen, liegt auf der Hand. Engagierte Pflegekräfte gehen auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch, warum so viele dem Beruf den Rücken kehren.

Entlastung durch alternative Versorgungskonzepte

An der Pflegepolitik zu rütteln, erscheint wie ein Kampf gegen Windmühlen. Und dennoch versuchen Anbieter alternativer Betreuungskonzepte, die Last der Pflegekräfte zum allgemein gewünschten Wohl der Pflegebedürftigen ein wenig aufzufangen. Denn wenn Senioren und Pflegebedürftige möglichst lange und kompetent häuslich versorgt werden können, nimmt es den stationären Einrichtungen und insbesondere deren Mitarbeitern etwas Arbeit ab. Bei vielen alterstypischen sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Erkrankungen ist heute eine häusliche Pflege durchaus möglich und umsetzbar. Dies gilt auch für Menschen mit beginnender Demenz und chronisch progredienten Leiden, die bis zu einem gewissen Grad der Erkrankung zu Hause versorgt werden können.

Und wenn dadurch in Anbetracht des Fachkräftemangels in der Pflege und der langen Wartezeiten auf einen Platz in einer stationären Einrichtung ein wenig Entlastung geschaffen werden kann, profitieren alle Seiten von der Pflege und Versorgung in den eigenen vier Wänden. Dies, zumal Konzepte wie die 24 Stunden Betreuung, kann auch mit ambulanten Diensten kombiniert werden .

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Autorenteam Sonja und Harry Bode