Andropause oder die Wechseljahre beim Mann

Viele tun es ab als Midlife-Krise. Doch die Wechseljahre beim Mann sind genauso real wie die Wechseljahre der Frau. Das sogenannte Klimakterium virile ist ein Teil des natürlichen Alterungsprozesses und geht einher mit einem starken Rückgang des Testosteronspiegels. Die Andropause wird begleitet von abnehmender sexueller Aktivität und psychosozialen Problemen.

Kurz zusammengefasst

  • Die männlichen Wechseljahre äußern sich ähnlich wie die weiblichen: sinkender Hormonspiegel, Stimmungsschwankungen, leichte Reizbarkeit, Gewichtszunahmen, Muskelabbau, nachlassende Libido und sogar Hitzewallungen.
  • Eine Testosteronersatztherapie kann helfen, ist aber in vielen Fällen gar nicht notwendig. Eine Umstellung des Lebensstils kann schon viel bewirken.
  • Mit einer Blutanalyse lässt sich genau feststellen, ob die Symptome tatsächlich aufgrund von Testosteronmangel auftreten.
  • Die männlichen Wechseljahre beginnen etwa mit dem 40. Lebensjahr und können bis zum 70. Lebensjahr oder sogar darüber hinaus andauern.

Wechseljahre beim Mann – eine Definition

Die Wechseljahre, wie sie alle Frauen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr irgendwann durchleben, gibt es bei Männern so nicht. Bei Frauen ist es ein physiologisch messbares Phänomen mit stark abfallendem Östrogenspiegel. Bei Männern reduziert sich der Testosteronspiegel nur sehr langsam. Es findet kein schlagartiger Abfall des Hormonspiegels statt.

Dennoch haben Männer gleichwertige Symptome. Sie leiden unter Antriebslosigkeit, sind kraftlos und müde und verlieren die Lust an der Sexualität. Das ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses, der häufig auch mit anderen Problemen einhergeht. Während dieser Phase leiden Männer oft auch unter Depressionen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und verringerter Muskelmasse. Diese Phase beginnt bei den meisten Männern schleichend zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.

Häufig kommt Kritik aus den Reihen der Männergesundheitsforscher. Ihr Standpunkt: Die Medizin konzentriert sich sehr auf die weiblichen Wechseljahre und dabei bleiben die Bedürfnisse alternder Männer meist unberücksichtigt. Doch so langsam ändert sich dies. Es gibt immer mehr Forschungsergebnisse und Forschungsarbeiten, die die Wechseljahre beim Mann zum Thema haben.

Weit verbreitet ist auch der Ansatz, dass Männer zwischen 40 und 60 Jahren in den sogenannte „besten Jahren“ sind. Da möchte keiner zugeben, dass er Defizite hat oder unter Wechseljahresbeschwerden leidet.

INFO
Die männlichen Wechseljahre haben viele Namen. Sie heißen auch Klimakterium virile, Wechseljahre des Mannes, Andropause, PADAM (Partielles Androgendefizit des alternden Mannes) oder PEDAM (Partielles endokrines Defizit des alternden Mannes). Die Begrifflichkeiten sorgen immer wieder für Diskussionsstoff. Was die passende Bezeichnung ist, darüber ist sich auch die Fachwelt uneinig.

Wie wirkt sich der Wechsel aus?

In erster Linie wirkt sich der Wechsel auf die sexuelle Aktivität aus. Testosteron, das männliche Sexualhormon, spielt bei der Libido, der Erektionsfähigkeit und auch bei der Spermaproduktion eine bedeutungsvolle Rolle. Geht das Hormon im Lauf des Lebens langsam zurück, macht sich das auch an der Manneskraft bemerkbar.

Oft haben die Veränderungen der Libido auch Auswirkungen auf die Psyche. Es kommt zu depressiven Verstimmungen bis hin zu schweren Depressionen. Ein Lebens-Ende-Feeling macht sich breit. Bei vielen Männern lässt die Leistungsfähigkeit auch in anderen Bereichen nach. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, sie vergessen wichtige Dinge und können nicht mehr so gut mit Stress oder Leistungsdruck umgehen. Immer mehr Männer suchen in dieser Phase einen Arzt auf und wünschen sich Medikamente, um die Symptome wieder in den Griff zu bekommen. Die einen nehmen Testosteron-Präparate. Andere versprechen sich Abhilfe durch Viagra.

Dadurch, dass der Hormonspiegel nur sehr langsam sinkt, sind die Symptome oft nicht so stark ausgeprägt wie bei den Frauen. Wann die Beschwerden behandlungsbedürftig sind, ist immer individuell abzuklären.

Wann fangen die Wechseljahre des Mannes an?

Bei den meisten Männern treten die ersten Symptome zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Doch es kann auch schon mit 35 losgehen. Das ist von Mann zu Mann verschieden. Auch die Dauer der Wechseljahre variiert stark. Im Durchschnitt dauert es 7,5 Jahre, bis ein Mann die Wechseljahre durchlaufen hat. Das ist etwa so lange wie bei den weiblichen Wechseljahren auch.

Allerdings beginnen die männlichen Wechseljahre sehr langsam und eher schleichend. Viele Männer können gar nicht genau sagen, wann sie angefangen haben. Die ersten Veränderungen sind kaum spürbar. Sie bemerken nicht viel von Beschwerden oder Symptomen in den Wechseljahren, während andere an sich sehr deutliche Veränderungen wahrnehmen. Dass sich das Testosteron langsam ausschleicht, nehmen viele erst in einem späteren Stadium wahr. Die Wechseljahre überraschen und verunsichern viele Männer.

Welche Symptome treten beim Mann in den Wechseljahren auf?

Mit etwa 40 Jahren fängt der Testosteronspiegel an zurückzugehen. Die Werte sinken pro Jahr um etwa ein bis zwei Prozent. Das bemerken viele zunächst überhaupt nicht. Die ersten Anzeichen machen sich im sexuellen Bereich bemerkbar.

Die häufigsten Anzeichen sind eine nachlassende Libido und Erektionsstörungen. Weiterhin kann es zu Gefühlsschwankungen, hoher Reizbarkeit, Gewichtszunahme, einem allgemeinen Schwächegefühl sowie Glieder- und Gelenkschmerzen kommen.

Die Symptome im Einzelnen:

Symptom Details
Erektionsstörungen
  • auch erektile Dysfunktion genannt
  • tritt bei zehn Prozent der Männer im Alter von 40 bis 50 Jahren auf
  • entweder hat der Mann keine Erektion mehr oder sie ist nicht von Dauer
  • kann bis zum vollständigen Verlust der Libido führen
  • Ursache ist meist der Testosteronrückgang
  • der Testosteronspiegel sinkt langsam und beständig mit zunehmendem Alter
Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen
  • können auch nicht hormonelle Ursachen haben und sollten von einem Arzt abgeklärt werden
  • geringe Stresstoleranz
  • hinzu können kommen: Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, verminderte Gedächtnisleistung, geringere Konzentrationsfähigkeit und Schlafstörungen
  • diese Symptome können sich sehr negativ auf Partnerschaft und Familienleben auswirken. Das gilt insbesondere für anhaltend schlechte Laune
Glieder- und Gelenkschmerzen
  • mit abnehmendem Testosteronspiegel nehmen auch Knochen- und Muskelmasse ab
  • Gelenke können ebenfalls betroffen sein
  • Gewichtszunahme durch den Testosteronmangel belastet die Gelenke zusätzlich
  • es kann zu Beschwerden und Verletzungen kommen
  • Liegt eine Osteoporose vor, kommt es leichter zu Knochenbrüchen
Gewichtszunahme
  • plötzliche Gewichtszunahmen ohne geändertes Essverhalten oder ohne geänderte Lebensweise.
  • meist macht sich ein größerer Bauchumfang bemerkbar
  • typisch ist der Kugelbauch
  • dem wirken Sport und viel Bewegung entgegen
Abgeschlagenheit
  • Testosteronmangel lässt Männer sich matt und schwach fühlen
  • sie sind müde und abgeschlagen, antriebslos und wenig aktiv
  • Schwächegefühle begleiten die Antriebslosigkeit
  • es entstehen häufig depressive Gedanken, die zu einer behandlungsbedürftigen Depression werden können

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Hitzewallungen und starkes Schwitzen
  • Schweißausbrüche
  • innere Unruhe
  • Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Zunahme des Bauchumfangs
  • Schwindelgefühl
  • Muskelabbau und damit einhergehend eine verminderte Muskelkraft
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Herzrasen
  • Nervosität
  • Angstzustände

Wie lassen sich die männlichen Wechseljahre diagnostizieren?

Da die typischen Störungen in den männlichen Wechseljahren auch einen anderen Ursprung haben können, ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen, um dies genau abzuklären. Nur einem Arzt ist es möglich, genau zu diagnostizieren, ob die Wechseljahre bei einem Mann bereits begonnen haben. Der richtige Ansprechpartner dafür ist der Urologe oder der Androloge.

INFO
Der Androloge ist der Facharzt für den Mann, das Pendant zum Gynäkologen. Andrologie ist die Lehre (logos) vom Mann (andros). Die Andrologie überschneidet sich mit anderen medizinischen Fachbereichen, wie der Urologie, der Endokrinologie, der Sexualmedizin, der Humangenetik und der Dermatologie. Denn der Androloge beschäftigt sich mit dem harnableitenden System, den männlichen Hormonen, Haut- und Geschlechtskrankheiten und ist häufig auch Ansprechpartner bei Fertilitätsproblemen.

Die Aufgabe des Arztes ist es, genau zu untersuchen, was die Symptome verursacht. Neben einem zu niedrigen Testosteronspiegel kann die Ursache auch in körperlichen oder seelischen Erkrankungen liegen. In der Regel führt der Arzt eine Blutuntersuchung durch, um den Hormonstatus festzustellen. Daran ist genau zu erkennen, wie viel Sexualhormone der Betroffene im Blut hat.

Hat ein Patient in mittleren Jahren zu wenig Sexualhormone im Blut, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Wechseljahren. Die Beschwerden sind allerdings nicht sehr spezifisch und häufig nicht stark ausgeprägt, sodass allein aufgrund der Symptome keine Diagnose möglich ist.

Männliche Wechseljahre – nur eine Erfindung der Pharmaindustrie?

Unter Wissenschaftlern bleibt es umstritten, ob es die Andropause, also die männlichen Wechseljahre wirklich gibt. Viele Fachleute sehen die Abnahme des Testosteronspiegels als normale Erscheinung an, die mit dem Altern einhergeht. Für Experten ist es schwierig abzugrenzen. Bei Frauen gibt es einen ganz klaren Zeitpunkt, wann die Menopause eintritt: mit dem Zeitpunkt der letzten Menstruation. Bei den Männern gibt es kein solches biologisches Ereignis, das die Menopause begrenzt.

Übrigens
Der Begriff Andropause – quasi als Gegenbegriff zur Menopause – ist eigentlich nicht korrekt. Menopause bedeutet ins Deutsche übersetzt „Tod der Periode“. Bei der Frau kommt es in kürzester Zeit zu einem drastischen Hormonabbau bis die Periode vollständig ausbleibt. Andropause heißt wörtlich übersetzt „Tod des Mannes“. Der Begriff findet dennoch vielfach Anwendung in der Medizin. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass es bei Männern nie zu einem vollständigen Absinken des Hormons Testosteron kommt.

Schon der Begriff selbst ist für viele Mediziner unzutreffend. Mit zunehmendem Alter kommt es tatsächlich zu hormonellen Veränderungen beim Mann. Das lässt sich im Blutbild nachweisen und ist nicht wegzudiskutieren. Doch ein enger Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Hormonveränderung lässt sich nicht eindeutig feststellen.

Möglicherweise, so eine verbreitete Meinung, hat die Pharmaindustrie die Wechseljahre des Mannes als Begriff erfunden. Teilweise heißt es sogar, dass die Pharmaindustrie damit die Umsätze für bestimmte Produkte will.

Ist wirklich das Testosteron für die Beschwerden verantwortlich?

Die Symptome sind teilweise sehr unspezifisch und lassen sich nicht ausschließlich durch die reduzierte Hormonproduktion erklären. Teilweise können auch andere Ursachen zugrunde liegen.

Liegt tatsächlich ein Testeronmangel vor, kann es langfristig zum Abbau von Muskel- und Knochenmasse und damit zu Osteoporose kommen. Mangelnde körperliche Belastung kann dies noch verstärken. Eine indirekte Gefahr liegt im Übergewicht, das viele Menschen in dieser Lebensphase entwickeln. Übergewicht fördert weitere Erkrankungen, wie zu hohen Blutdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.

Welche Hormone – neben dem Testosteron – spielen bei älteren Männern ebenfalls eine Rolle?

Viele Experten konzentrieren sich im Kontext der männlichen Wechseljahre auf das Testosteron. Dabei gibt es noch weitere Hormone, die nicht nur im Alter von großer Bedeutung für das Wohlbefinden sind.

Hormon Wirkung im Körper
Dehydroepiandrosteron (DHEA)
  • Produktion in der Nebennierenrinde
  • bremst Alterungsprozesse
  • fördert Fettabbau
  • hemmt die Ausschüttung von Kortisol, dem Stresshormon
  • stärkt das Immunsystem
  • schützt vor Herz- und Kreislauferkrankungen
  • fördert Merk- und Konzentrationsfähigkeit
  • Konzentration im Blut nimmt etwa ab dem 45. Lebensjahr ab
  • Rückgang kann ebenfalls für altersbedingte Beeinträchtigungen verantwortlich sein
Östrogene
  • Östrogenspiegel sinkt in Abhängigkeit vom sinkenden Testosteronspiegel
  • Östrogenmangel kann:
    • zu Gelenkschmerzen und Muskelverspannungen führen
    • Fettverteilungsstörungen auslösen
    • die Merkfähigkeit beeinträchtigen
  • führt auch zu verminderter Belastbarkeit und psychischer Unausgeglichenheit
Gonadotropin-Releasind-Hormon (Gn-RH)
  • stimuliert die Hypophyse, damit sie Sexualhormone ausschüttet (FSH – follikelstimulierendes Hormon, LH – luteinisierendes Hormon)
  • beide zusammen steuern die Sexualfunktion bei Mann und Frau

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für die männlichen Wechseljahre?

Maßgeblichen Einfluss auf die Hormonproduktion hat der Lebensstil. Deshalb sind entsprechende Anpassungen eine große Hilfe für die Betroffenen. Wichtig in dieser Lebensphase sind:

  • eine gesunde, ausgewogene Ernährung,
  • Regelmäßiger Sport oder zumindest ausreichend Bewegung
  • sexuelle Aktivität und
  • die Vermeidung von Stress.

Wenn diese Maßnahmen nichts bewirken, besteht die Möglichkeit einer Hormonersatztherapie mit Testosteronsubstituten.

Für die Zuführung von Testosteron gibt es verschiedene Möglichkeiten. In der Apotheke sind verschreibungspflichtige Testosteron-Tabletten erhältlich. Außerdem gibt es Hormonpflaster und Lotionen oder Gele, die Testosteron enthalten. Damit lässt sich der Testosteronspiegel wieder erhöhen und langfristig erhalten. Im Handel sind auch sogenannte „Testosteron Booster“ erhältlich, die ebenfalls gegen den sinkenden Testosteronspiegel helfen sollen. Auch eine Behandlung mit Viagra zur Potenzsteigerung ist denkbar. Das sollten die Betroffenen wegen der gravierenden Nebenwirkungen unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Viele Ärzte sehen die Hormonersatztherapie genau wie bei Frauen in der Menopause sehr kritisch. Die Hormongaben bei Männern können erhebliche Nebenwirkungen haben und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.

Tipp
Testosteron in Tabletten- oder Kapselform einzunehmen, ist nicht ratsam. Diese Darreichungsform sorgt für einen kurzzeitig sehr stark ansteigenden Hormonspiegel, der danach genauso schnell wieder abfällt. Die Behandlung hat allerdings eine gleichmäßige, mittelhohe Testosteron-Konzentration im Blut zum Ziel.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Arzt zu gehen?

Viele Männer haben den Mythos vom ewig starken Mann im Kopf. Zum Arzt zu gehen wegen solcher „Lappalien“ kommt für sie nicht infrage, lieber leiden sie still vor sich hin. Doch dadurch geht – je nach Ausmaß der Symptomatik – viel Lebensqualität verloren. Oft verursachen die männlichen Wechseljahre keine oder nur geringfügige Symptome. Die Symptome gehen als Alterserscheinungen in normalem Ausmaß durch. Beeinträchtigen die Symptome allerdings die Lebensqualität sehr stark, ist es sinnvoll einen Arzt zu konsultieren. Treten Depressionen auf, ist es dringend angeraten, einen Termin mit einem Arzt wahrzunehmen.

Oft genügt es schon, bei den ersten Anzeichen den Lebensstil zu verändern, um eine Verbesserung zu erreichen. Mehr Bewegung, eine Umstellung der Ernährung, genügend Schlaf und weniger Stress können die Lebensqualität erheblich erhöhen.

Medikamente können zudem dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Es gibt auch frei verkäufliche Mittel, mit denen insbesondere Online-Apotheken viel Werbung machen. Doch bei der Verabreichung von Hormonen oder anderen Medikamenten für die Verbesserung der Symptome ist es immer besser, vorher mit dem Arzt zu reden.

Begriff
Oft ist bei männlichen Wechseljahren auch von Hypogonadismus die Rede. Gonaden ist die medizinische Bezeichnung für die Hoden. Die Vorsilbe hypo steht immer für einen Mangel. Hypogonadismus ist demzufolge eine Funktionsstörung der Keimdrüsen oder Hoden. Sie produzieren zu wenig Testosteron.

Wann ist es sinnvoll, Hormone einzunehmen?

Viele Ärzte verschreiben ihren Patienten Hormone, wenn die Testosteronkonzentration im Blut weniger als 8 Nanomol pro Liter beträgt. Die Testosteronersatztherapie ist nicht nur sinnvoll, um die sexuellen Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Es gibt auch zahlreiche Stoffwechselerkrankungen, die der Testosteronmangel hervorrufen kann.

Der Grenzwert ist deshalb so wichtig, weil eine Hormonersatztherapie erst bei einem massiven Hormonmangel angezeigt ist. Es gibt klare Kontraindikationen für diese Behandlung. Die männlichen Wechseljahre reichen als Grund für die Hormontherapie nicht aus. Denn neben den zahlreichen positiven Effekten hat sie auch negative Nebenwirkungen.

Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie

Die Hormongabe kann die Fertilität reduzieren und sie erhöht das Risiko für Prostatakrebs, weil sie eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder einen sich entwickelnden Prostatakrebs beschleunigen können. Deshalb ist vor der Therapie unbedingt eine Prostatauntersuchung durchzuführen.

Testosteron stimuliert die Talgdrüsen. Als Folge der Hormonbehandlung kann es zu Akne kommen. Zudem kann sich die Brust vorübergehend vergrößern (Gynäkomastie) und es kann ein Spannungsgefühl in der Brust entstehen.

Eine zu hohe Dosierung des Testosterons regt die Blutbildung an. Wird der Anteil der roten Blutkörperchen unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu den anderen Blutbestandteilen kommt es zu einer Erythrozytose oder Polyglobulie. Das Blut wird infolgedessen dickflüssiger, die Fließeigenschaften verändern sich. Daher ist es unbedingt notwendig, während der Hormonersatztherapie regelmäßig den Hämatokrit-Wert zu bestimmen.

Männer mit starkem Übergewicht oder Männer, die an COPD (chronisch obstruktive Atemwegserkrankung) leiden, können ein Schlafapnoe-Syndrom entwickeln oder verstärken. Bei dieser Atemregulationsstörung im Schlaf kommt es zu mehr als zehn längeren Atempausen pro Stunden. Die Atempausen dauern mindestens zehn Sekunden an. Die Folge der Schlafapnoe sind unter anderem Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit.

Die Hormonersatztherapie wirkt sich nach heutigem Kenntnisstand nicht auf die Blutfettwerte und auch nicht auf das Herz-Kreislauf-System aus.

Info
Krankenkassen übernehmen nicht bei jedem Betroffenen die Kosten für die Hormonersatztherapie. Daher ist es sinnvoll, die Kostenübernahme im Vorfeld mit der Krankenkasse abzuklären.

Für wen eignet sich die Hormonersatztherapie nicht?

Nicht in jedem Fall ist eine Hormonersatztherapie mit Testosteron angezeigt. Es gibt eindeutige Fälle, in denen die Hormongabe mehr Schaden anrichtet, als sie nützt:

  • bei bereits bestehendem Prostatakrebs oder einem Prostatakarzinom
  • bei Vorliegen eines virilen Mammakarzinoms, also Brustkrebs beim Mann
  • beim Schlafapnoe-Syndrom
  • wenn der Kalziumspiegel im Blut erhöht ist als Folge eines bösartigen Tumors
  • bei Vorliegen eines Lebertumors

Welche pflanzlichen Alternativen zur Linderung der Beschwerden gibt es?

Je nach den vorliegenden Symptomen bieten sich eine Reihe pflanzlicher Präparate an, die ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen können.

Pflanzliches Mittel Wirkung
Hyperivum perforatum – das Johanniskraut
  • entspannend
  • stimmungsaufhellend
  • schlaffördernd
  • gibt es rezeptfrei in der Apotheke beispielsweise als Tee, Tropfen, Kapseln oder Tabletten
Baldrianwurzeln & Melisseblätter
  • beruhigend
  • lindernd bei Unruhezuständen, Schlaflosigkeit und Nervosität
  • gibt es als Kombi-Präparate als Kapseln, Tabletten, Tropfen, Lösung oder Dragees
Kava-Kava-Extrakt
  • lindernd bei Ein- und Durchschlafstörungen
  • angst- und spannungslösend
  • reduzierend bei Erregungszuständen und nervöser Erschöpfung
  • gibt es als Kapseln und Tropfen freiverkäuflich in der Apotheke
Teufelskralle oder Haifischknorpel
  • können bei Rücken-, Gelenk- und Gliederschmerzen gut helfen
  • gibt es als Extrakt

Gibt es auch homöopathische Mittel zur Behandlung der Wechseljahresbeschwerde beim Mann?

Je nach Symptomen gibt es verschiedene homöopathische Substanzen, die Männern mit Wechseljahresbeschwerden helfen:

  • Acidum phosphoricum hilft bei Niedergeschlagenheit
  • Cerebrum compositum lindert Symptome wie Angst, Depression und Vergesslichkeit
  • Sepia-Globuli sollen das sexuelle Verlangen wieder entfachen

Welche Auswirkungen können die männlichen Wechseljahre auf die Paarbeziehung haben?

Kommen Männer in die Wechseljahre und bemerken sie Veränderungen an sich, insbesondere in Bezug auf ihre Sexualität, ziehen sich viele zurück. Sie vermeiden den Kontakt zu ihrer Partnerin, weil sie Angst davor haben zu versagen. Das kann in vielen Paarbeziehungen zu schlechter Stimmung führen. Hinzu kommt, dass der Partner unter Gefühls- und Stimmungsschwankungen leidet, die genau wie die Antriebslosigkeit für beide sehr belastend sein können.

In dieser Phase des Lebens ist es notwendig, miteinander zu reden und die konkreten Probleme anzusprechen. Gemeinsam lassen sich häufig Lösungswege finden. Betroffene sollten ihre Probleme so genau wie möglich schildern. Oft hilft es schon, dass die Partnerin weiß, wie belastend die Situation für den Betroffenen selbst ist.

Was überhaupt nicht weiterhilft, in dieser Situation sind Gemecker, Genörgel oder sogar Schuldzuweisungen. Hilfreich hingegen ist es, gemeinsam etwas dagegen zu tun und einen gesünderen Lebensstil zu pflegen. Auch gemeinsame Unternehmungen können helfen. Wenn das Hauptproblem bei den Wechseljahresbeschwerden des Mannes das mangelnde sexuelle Interesse ist, können potenzsteigernde Mittel eine Hilfe sein.

FAQ – häufig gestellte Fragen zu den männlichen Wechseljahren

Durch das Klimakterium virile gibt es Fragen, die immer wieder auftauchen. In den Medien sind viele Informationen zu den Wechseljahren der Frau zu finden, während die Wechseljahre beim Mann kaum Beachtung finden.

Was genau sind die Wechseljahre beim Mann?

In den Wechseljahren geht die Hormonproduktion zurück. Beim Mann ist es das Testosteron, das der Körper immer weniger produziert. Die Folge davon sind sexuelle Probleme, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Depressionen, Schlafstörungen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, Gewichtszunahme. Diese Phase ist ganz natürlich und gehört zum Älterwerden dazu. Doch anders als bei den Frauen gibt es bei den Wechseljahren des Mannes kein biologisches Ereignis, das sie begrenzt.

Was hilft gegen die Wechseljahresbeschwerden?

In vielen Fällen bewirkt eine Änderung der Lebensgewohnheiten schon eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität. Dazu gehören mehr Schlaf, weniger Stress, mehr Bewegung und Sport und gesundes Essen. Statt Chips, Bier und Fernsehkonsum gibt es gesundes, abwechslungsreiches Essen, viel Wasser und einen kleinen Verdauungsspaziergang.
Eine Hormonersatztherapie ist nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein erheblicher Testosteronmangel vorliegt. Der Arzt muss dabei die Vorteile und Risiken sorgfältig gegeneinander abwägen.

Wie lässt sich feststellen, ob die Wechseljahre bereits begonnen haben?

Die Symptome treten bei Männern in den Wechseljahren nicht so plötzlich auf wie bei den Frauen. Sie schleichen sich über einen längeren Zeitraum ein. Wichtige Kennzeichen sind Erektionsprobleme, verminderte sexuelle Lust, Gewichtszunahme insbesondere am Bauch, Muskelabbau, Gelenkschmerzen, Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit und Depressionen.
Treten diese Beschwerden gehäuft oder dauerhaft auf, können das Anzeichen für die Wechseljahre sein. Eindeutig feststellen kann das allerdings nur ein Arzt.

Können Männer infolge der Wechseljahre Depressionen bekommen?

In den Wechseljahren treten bei Männern häufig depressive Verstimmungen oder Depressionen auf. Es zeigen sich Symptome wie Traurigkeit, Mutlosigkeit, Schlafstörungen, Panikattacken oder Antriebsschwäche. Für viele Mediziner sind dies nicht zweifelsfrei Anzeichen für die Wechseljahre. Depressionen lassen sich auch auf das veränderte Leben in dieser Lebensphase zurückführen, die Männer oft zu bewältigen haben. Wer diese Symptome bei sich selbst bemerkt, sollte sich umgehend an einen Arzt wenden. Es könnten auch andere Probleme dahinterstecken.

Ab welchem Alter beginnen die Wechseljahre?

Am häufigsten kommt es zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr zu ersten Symptomen. Wie früh oder spät ein Mann in die Wechseljahre eintritt, hängt zum Teil von den Erbanlagen und zum Teil von den persönlichen Lebensgewohnheiten ab. Manche Männer haben bereits mit 35 Jahren erste Symptome für das Klimakterium virile.
Dass es schon früh zu ersten Symptomen kommt, kann auch an einer ungesunden Lebensweise liegen. Oft bewegen sich die Betroffenen nur wenig, nehmen viel zu viele Kalorien auf und haben Übergewicht und einen großen Bauchumfang.

Wie verhält sich ein Mann in der Midlife-Crisis?

Jeder Mann verkraftet die hormonellen Veränderungen in der Mitte des Lebens etwas anders. Manche merken bewusst überhaupt nichts davon oder gehen sehr locker mit den Veränderungen um. Anderen fällt der Umgang damit sehr schwer. Vor allem die Verringerung der Libido oder Erektionsprobleme können große Unzufriedenheit auslösen. Viele versuchen dann diesen Zustand zu kompensieren und suchen Bestätigung als Mann. Das kann sich beispielsweise in einer Beziehung mit einer jüngeren Partnerin äußern oder in der Suche nach Herausforderungen in Form von ausgefallenen Hobbys oder gefährlichen Sportarten.

Können Männer Hitzewallungen haben?

Hitzewallungen gibt es auch bei Männern. Sie äußern sich durch plötzlich auftretende Schweißausbrüche und nächtliches Schwitzen. Doch den meisten Männern ist es unangenehm, darüber zu reden. Die plötzlichen Schweißausbrüche können eine starke psychische Belastung sein. Sie können stark verunsichern, vor allem, wenn sie in aller Öffentlichkeit vorkommen.
Ursache für die Hitzewallungen sind nicht immer die Wechseljahre. Dahinter können auch andere Erkrankungen stecken oder sie können die Nebenwirkung eines Medikaments sein. Auch Dauerstress oder Depressionen können Hitzewallungen auslösen. Unterzuckerung bei Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion kann ebenfalls verantwortlich sein für die Hitzeschübe. Weitere Ursachen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder allergische Reaktionen.