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Was macht ein Ergotherapeut genau?

Der Beruf des Ergotherapeuten findet sich in ganz unterschiedlichen medizinischen Bereichen. Du kannst in der Psychiatrie ebenso auf einen treffen wie im Altenheim oder der Pädiatrie. Dabei bleibt für den Laien oftmals unklar, welche Rolle der Therapeut eigentlich hat und was sein Beitrag zu einer Therapie ist.
Besonderheiten
  • handlungsorientiert
  • in zahlreichen medizinischen Bereichen
  • auch im Altenheim
  • Erhalt oder Verbesserung von Selbstständigkeit
  • Einbeziehung der Umwelt
Das Wichtigste zusammengefasst
  • Der therapeutische Ansatz in der Ergotherapie ist handlungsorientiert. Das Ziel ist der Erhalt oder die Verbesserung motorischer, sensorischer oder kognitiver Fähigkeiten.
  • Die Zielgruppe dabei sind Menschen jeden Alters mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen, d. h. du findest Ergotherapeuten in fast allen medizinischen Bereichen.
  • Der handlungsorientierte Ansatz bezieht nicht nur das Individuum, sondern stets auch dessen Umwelt mit in die therapeutische Arbeit ein.

Was ist Ergotherapie?

Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) definiert die Ergotherapie wie folgt:

Definition
Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jedes Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.

Die Form der Ergotherapie befasst sich mit konkreten Betätigungen, deren Auswirkungen auf den Menschen und seine Umwelt. Beeinträchtigungen werden durch den gezielten Einsatz von Arbeit behandelt, wobei sowohl die individuelle als auch sozio-kulturelle Bedeutung der Tätigkeit und ihre Auswirkungen auf Gesundheit und dem Zusammenspiel mit der Umwelt wichtig sind. Dadurch ergeben sich Überschneidungen zur Beschäftigungstherapie, die teilweise synonym dazu verwendet wird.

Grundlagen und Tätigkeitsbereiche der Ergotherapie

Diese Therapieform basiert auf einer medizinischen, teilweise arbeitsmedizinischen, sozialwissenschaftlichen und handlungsorientierten Grundlage. Ausschlaggebend ist dabei eine ganzheitliche Sichtweise, die nicht nur den Menschen selbst, sondern auch seine Umwelt und Aktivitäten einbezieht. Unterscheidungen ergeben sich dabei in den verschiedenen menschlichen Tätigkeitsbereichen Selbstversorgung, Freizeit und Produktivität.

Das Ziel ist dabei stets eine zufriedenstellende Ausführung alltäglicher Handlungen und damit verbunden eine selbstbestimmte Teilhabe am soziokulturellen Leben. Mögliche Ansätze sind dazu, gegebenenfalls unter Hinzuziehung von Hilfsmitteln:

  • Verbesserung
  • Wiederherstellung
  • Kompensation

Die Tätigkeitsbereiche von Ergotherapeuten sind damit äußerst vielseitig. Sie beraten, behandeln und fördern PatientInnen unabhängig ihres Alters bei sowohl psychischen als auch physischen Erkrankungen, die entweder durch eine Behinderung oder Entwicklungsstörung zu einer Einschränkung der Selbstständigkeit von Handlungen führen. Neben Therapien sind dabei auch präventive Maßnahmen möglich.

Die Wirksamkeit von Ergotherapie bei verschiedenen Krankheiten

Ergotherapie ist äußerst vielseitig einsetzbar. Du findest Therapeuten nicht nur in Praxen, sondern auch innerhalb von Kliniken, Gesundheitszentren und Pflegeheimen, Sonderschulen oder bei ambulanten sozialen Diensten. Einsatzbereiche sind besonders häufig Pädiatrie, Psychiatrie, Geriatrie, Neurologie, Orthopädie und Einrichtungen für geistig und/oder körperlich beeinträchtigte Menschen.

Kann ein Ergotherapeut bei Depressionen helfen?

Ergotherapeuten kommen auch in der Psychiatrie zum Einsatz. Hier behandeln sie Menschen jeder Altersklasse, die unter Störungen im Kindes- und Jugendalter, Angststörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Schizophrenien, Essstörungen, affektiven Störungen, dementiellen Syndromen oder auch bei Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht leiden. Das Ziel ist hier die Optimierung bzw. auch der Erhalt von

  • Realitätsbezug der Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • situationsgerechtem Verhalten
  • psychischer Stabilität
  • eigenständiger Lebensführung
  • Körperwahrnehmung und der Verarbeitung von Wahrnehmungen
  • psychischen Grundleistungsfunktionen

Der mit einer Depression einhergehende Verlust von Antrieb, Freude oder das Aufkommen motorischer Unruhe kann im Rahmen einer Ergotherapie oftmals erfolgreich behandelt werden. Das Ziel ist hier z. B. der Aufbau einer Konzentrationsfähigkeit oder die Unterstützung der Entscheidungsfähigkeit, aber auch die Verbesserung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.

Ergotherapeuten im Altenheim

Die Geriatrie bezeichnet die Arbeit mit älteren Meschen, die oft an akuten oder auch chronischen Erkrankungen leiden, die sich verschiedenen medizinischen Fachgebieten zuschreiben lassen. Viele der Betroffenen leben aufgrund dieser Erkrankungen in Pflege- und Altenheimen, sodass die Ergotherapie auch hier tätig wird. Inhalte sind hier für gewöhnlich das Training motorischer und sensorischer sowie der kommunikativen Fähigkeiten ebenso wie jenes der Alltagsbewältigung. Daneben gehört hier auch die Versorgung der PatientInnen mit Hilfsmitteln zu den Aufgaben eines Ergotherapeuten.

Als Ziele im Altenheim lassen sich vor allem benennen:

  • Sturzprävention
  • Förderung und Stabilisierung von Gedächtnisleistungen, Konzentration und Orientierung, Wahrnehmung aller Sinne, vorhandenen und verloren gegangenen geistigen, sozialen und körperlichen Fähigkeiten
  • Verhinderung von Isolation
  • Selbstständigkeit im Alltag
  • Erhalt und Erweiterung des Bewegungsspielraums der Gelenke
  • Nutzung vorhandener Kompetenzen
  • Verbesserung und Erhalt individuell bestimmter Lebensqualität
  • Optimierung von Handlungs- und Bewegungsplanung und -durchführung

ADHS und Ergotherapie

Der Begriff ADHS steht für „Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität“. Anders als oftmals angenommen, tritt das Krankheitsbild keineswegs nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen auf. Hyperaktive Menschen sind lebhaft, lassen sich leicht ablenken und können sich nur für eine kurze Zeit auf eine Sache konzentrieren. Daneben sind sie oft impulsiv und aufbrausend. Das Krankheitsbild basiert auf einer neurologischen Störung, da das Gehirn alle Reize ungefiltert aufnimmt, ohne zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu differenzieren.

Die Ergotherapie setzt hier oft zunächst bei Störungen in Wahrnehmung und Motorik an, sodass die Betroffenen ihren Körper besser kennenlernen. Sie lernen zudem eine Optimierung der Grob- und Feinmotorik sowie von Kommunikationsfähigkeit, der sozialen Fähigkeiten oder auch der Verarbeitung von Sinnesreizen. Auch das strukturierte Arbeiten ist oft Gegenstand der Therapie.

Die Nutzung ergotherapeutischer Maßnahmen bei Kindern

Die Behandlung von Kindern ist ein zentrales Teilgebiet der Ergotherapie, wobei sich hier häufig auch Ansätze der Kinderpsychologie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie wiederfinden. Um zu einem handlungsfähigen und selbstständigen Erwachsenen heranzuwachsen, findet sich Ergotherapie z. B. in folgenden Bereichen:

  • Störungen des Bewegungsablaufs
  • Verzögerungen der sozialen Entwicklung oder Kommunikationsfähigkeit
  • Störungen in der senso-motorischen Entwicklung und Beeinträchtigungen bei kognitiven Prozessen
  • psychische Erkrankungen wie ADHS, Essstörungen oder Autismus
  • Behinderungen der Sinneswahrnehmung
  • Störungen der Wahrnehmungsfähigkeit

Ergotherapie und Multiple Sklerose (MS)

Auch die Neurologie ist ein wichtiger Tätigkeitsbereich von Ergotherapeuten. Hierbei stehen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlaganfälle oder auch die Multiple Sklerose im Fokus. Wesentliche Arbeitsbereiche und Aufgaben sind hier:

  • Therapie der Störung bzw. Herstellung des vor der Erkrankung bekannten Zustandes
  • Hemmung und Abbau krankhafter Haltungs- und Bewegungsmuster und Erlernen und Üben normaler Bewegungen
  • Optimierung der Verarbeitung von Sinnesreizen
  • Therapie von Störungen in der Grob- und Feinmotorik
  • Verbesserung des Gleichgewichtssinns
  • Verbesserung neuropsychologischer Defizite
  • Entwöhnung von Beatmungsgeräten
  • Wiedererlernen des Schluckens
  • Optimierung der Gefühlssteuerung
  • Training von Alltagsaktivitäten zugunsten der Selbstständigkeit
  • Beratung bezüglich geeigneter Hilfsmittel

Bei MS kann die Ergotherapie durch bestimmte Übungen die Feinmotorik verbessern, alternative Bewegungsabläufe aufzeigen oder auch Hilfsmittel zur vereinfachten Bewältigung des Alltags bereitstellen. Die Therapieform ist dabei stets auf den individuellen Krankheitsverlauf und die Bedürfnisse einzelner PatientInnen zugeschnitten.

Ergotherapie in anderen medizinischen Bereichen

Im Prinzip findet sich die Ergotherapie in nahezu jedem medizinischen Bereich. So auch in der Orthopädie und Rheumatologie, wo es um die Behandlung von Menschen mit Störungen des Bewegungsapparates geht. Daneben können auch die Narbenbehandlung bei Brandverletzungen oder die Kontrakturenprophylaxe bei geriatrischen und Wachkomapatienten Gegenstand der Arbeit von Ergotherapeuten in diesem Bereich sein. Ein Schwerpunkt ist hier oftmals die Wiederherstellung der Motorik, um Alltagstätigkeiten verrichten zu können.

Weiterführende Links

Bei der Suche nach einem geeigneten Ergotherapeuten hilft unter Umständen auch ein Blick auf die Webseite des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten e. V.: www.ergotherapie-dve.de oder www.dve.info.

Dieses Video erläutert, welchen Beitrag Ergotherapie bei Demenz leisten kann:

Der BR erklärt das Berufsbild des Ergotherapeuten:

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